Therapie von Inkontinenz und Senkung

Konservative Ansätze

Bei der Behandlung einer Inkontinenz und einer Senkung und ihrer Symptome unterscheidet man zwischen konservativen und operativen Therapien. Welche Behandlungsmethode wir einsetzen, hängt sehr stark von der Ausprägung der Erkrankung, den Beschwerden und den individuellen Wünschen der Patientin ab. 

Grundsätzlich versuchen wir die Möglichkeiten der konservativen Therapien auszuschöpfen, bevor wir eine Operation empfehlen. 

Zur den konservativen Behandlungen zählt das gezielte Training beziehungsweise die Rehabilitation des Beckenbodens. Wir setzen dafür eine spezialisierte Form der Physiotherapie ein ("Blasenhals-effektive, kontrollierte, integrative Beckenbodentherapie"). Diese wird von unseren ausgebildeten Beckenboden-Physiotherapeutinnen angeboten (Bärbel Junginger und Christiane Schwalm).

Neben der Verwendung von Ultraschall zur Schulung kommen eine genaue Untersuchung der Muskulatur durch Tasten, Elektrostimulation und Biofeedback-Verfahren zum Einsatz. Zur Behandlung der Inkontinenz existieren ferner eine Vielzahl von mechanischen Hilfsmitteln - etwa Ring- oder Würfelpessare sowie spezielle Schaumstofftampons, die vom Arzt angepasst und möglichst von der Patientin selbst gewechselt werden sollten. Bei überaktiver Blase oder Belastungsinkontinenz kann auch der Einsatz von Medikamenten sinnvoll sein. Verhaltenstherapien wie etwa so genannte "Drangstrategien", psychosomatische Therapien und Ernährungsschulung ergänzen das Spektrum der nicht-operativen Behandlungen. 

Operative Ansätze

Wenn die konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kommt bei Belastungsinkontinenz und /oder Senkungszuständen eine Operation in Betracht. Um die Operation zugleich effektiv und möglichst schonend durchzuführen, hält sich unser Beckenbodenzentrum an vier Prinzipien:

  • Wenn von der Patientin gewünscht und durchführbar, operieren wir so, dass die Gebärmutter erhalten bleibt.
  • Wenn möglich, erhalten wir die Sensibilität der Scheide (G-Punkt-schonende Operationen)
  • Wir vermeiden offene Bauchschnitte und setzen auf minimal-invasive laparoskopische (Bauchspiegelung) und vaginale Verfahren
  • Zur Therapie von Genitalsenkungen vermeiden wir den Einsatz von Netzen bei vaginalen Operationen.

Bei der operativen Behandlung der Belastungsinkontinenz kommen verschiedene Verfahren wie die "Bändchen-OP" (TVT=tension-free vaginal tape retropubisch oder transobturatorisch, laparoskopische Burch-Kolposuspension) und die Harnröhrenunterspritzung zum Einsatz. 

Bei der operativen Behandlung von Senkungen setzen wir Verfahren ein, die von der Scheide aus oder minimal-invasiv durch Bauchspiegelung (Schlüssellochtechnik) durchgeführt werden. Die konkrete Methode richtet sich danach, welches Organ sich gesenkt hat beziehungsweise vorgefallen ist, wie ausgeprägt die Senkung ist, welche Voroperationen stattgefunden haben, wie das Bindegewebe beschaffen ist, - und welche täglichen Belastungen der Beckenboden "ertragen" muss. Wir legen dabei stets großen Wert darauf, die Wünsche der Patientin zu berücksichtigen und gemeinsam mit ihr eine Therapieentscheidung zu treffen. 

Zu den angewandten Verfahren gehört zum Beispiel die vordere und die hintere Scheidenplastik - im Volksmund "Scheidenraffung" bzw. "Blasenraffung oder -anhebung" genannt. Ebenfalls als vaginale Operation können verschiedene Fixierungen von Bindegewebs- und Haltestrukturen durchgeführt werden. Auch Netzeinlagen, die über die Scheide platziert werden, gehören zu den therapeutischen Möglichkeiten. 

Zu den laparoskopischen Operationen (Bauchspiegelungen) gehören ebenfalls verschiedene Fixierungen und Korrekturen der Haltestrukturen, wie die seitliche oder hintere Fixierung der Scheide oder der Gebärmutter. Wenn die Senkung schon weit fortgeschritten ist, werden hier häufig Netze genutzt, um das Bindegewebe zu ersetzen (laparoskopische Sakrokolpopexie oder Sakrohysteropexie). Die Behebung einer gleichzeitigen Absenkung des Darmes über einen operativen Zugang durch den Anus kann zusammen mit den chirurgischen Kollegen erfolgen. Sofern dies medizinisch erforderlich oder von der Patientin gewünscht wird, entfernen wir die Gebärmutter über die Scheide und/oder laparoskopisch. 

Daneben bietet unser Beckenbodenzentrum spezialisierte Therapien für weitere Erkrankungen an. Dazu zählen Botox-Injektionen in Blasenmuskel (Detrusor) oder den Beckenboden, Blasendehnung bei interstitieller Zystitis, Scheidenerweiterungen, -verlängerungen und -verengungen.

Weitere Informationen:

Öffnet externen Link im aktuellen FensterDeutsche Kontinenz Gesellschaft e.V.

Öffnet externen Link im aktuellen FensterArbeitsgemeinschaft für Urogynäkologie und Beckenbodenrekonstruktion

Öffnet externen Link im aktuellen FensterInternational Urogynecological Association (auch deutsche Patientinnen-Informationen)

Öffnet externen Link im aktuellen FensterInternational Continence Society