29.10.2015 - Aktuelles aus den Centren

XI. Berliner Dialog in der Deutsch Arabischen Freundschaftsgesellschaft e. V. am 29.10.2015

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Der Berliner Dialog versteht sich als eine besondere Initiative, bei der das jeweilige Gastland seine vielfältigen kulturellen Aspekte präsentieren und medizinische Experten gesellschaftsrelevante Gesundheitsthemen besprechen. Unter diesem Leitbild: „Kultur trifft Wissenschaft“ diskutieren Persönlichkeiten aus den  Bereichen der Politik, Kultur und Wissenschaft und bringen ihre wertvollen Erfahrungen ein. Wieder war der Berliner Dialog ein großer Erfolg. Nach der herzlichen Begrüßung durch den Geschäftsführer der DAFG, Herrn Björn Hinrichs, und durch Herrn Prof. Dr. J. Sehouli, Direktor der Klinik für Gynäkologie an der Charité/Campus Virchow-Klinikum und Benjamin Franklin, eröffnete Herr Privatdozent Dr. rer. nat. Andreas Kaufmann und Biologe aus der Klinik von Prof. Dr. J. Sehouli den wissenschaftlichen Part mit seinem Thema Gebärmutterkrebs in Afrika. Der Gebärmutterhalskrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen auf dem afrikanischen Kontinent. Abhängig von der Region sterben 1- 5% der Frauen daran. Ausgelöst wird der Krebs durch eine Infektion mit karzinogenen Humanen Papillomviren (HPV). Diese werden besonders effizient aber nicht ausschließlich durch Geschlechtsverkehr übertragen und können Krebs im anogenitalen Bereich (Gebärmutterhals, Vulva/Vagina, Anus), aber auch in der Mundhöhle auslösen. Einen effizienten Schutz gegen bestimmte HPV Typen bietet allein die HPV Impfung. Andere Methoden, wie z.B. Kondome und Beschneidung der Männer, sind wenig effizient. Mittels Gewebeabstrich und zytologisch-mikroskopischer Untersuchung oder durch moderne molekulargenetische Labormethoden können Zellveränderungen oder die HP-Viren nachgewiesen und somit ein bestehendes Risiko für Krebsentstehung festgestellt werden. Die tödliche Erkrankung kann damit durch Früherkennung und rechtzeitige Behandlung verhindert werden. Dazu Herr Dr. Kaufmann: „In Ländern mit Screening Programmen wurde die Erkrankungshäufigkeit um bis zu 80% gesenkt.  Dies wurde in entwickelten Ländern erreicht. Solche Programme und adäquate Methoden sind in Afrika noch nicht eingeführt. Das Bewusstsein für die Erkrankung fehlt und Screening, Diagnostik und Behandlung sind nicht etabliert. In einem Projekt in Ghana wird die Machbarkeit eines „Screening at the doorstep“ durch ein self-sampling der Frauen in entlegenen Dörfern und anschließende Testung mit technisch einfachen Testmethoden in Distriktkrankenhäusern erprobt. Unterstützt wir dieses Vorgehen durch „Community health workers“ die regelmäßig die Dörfer besuchen und alle Einwohner kennen.“ Herr PD Dr. Kaufmann berichtete weiter, dass die Mitarbeiter und Ärzte trainiert und ausgebildet werden, um die Untersuchung und Therapie der gefundenen Krebsvorstufen durchzuführen. Dr. Kaufmann: „Die Ergebnisse werden wissenschaftlich ausgewertet, um Fakten zu erarbeiten für den politischen Dialog und letztlich für eine Einführung eines nationalen Programms.“ In der sich anschließenden Runde wurden die Behandlung der HPV-Viren und die Therapie vom Gebärmutterhalskrebs von allen Beteiligten angeregt diskutiert. Herr Prof. Sehouli referierte über das so aktuelle Thema „interkulturelle Öffnung im Gesundheitswesen“. Unter der sog. interkulturellen Öffnung wird im Allgemeinen die Strategie einer Organisationsentwicklung verstanden, die im Besonderen auf die kulturelle Vielfalt einer angemessen reagiert. Hierbei werden auch alle Prozesseben der Organisation berührt.

Auf Initiative von Professor Dr. J. Sehouli wurde in der Charité aktuell erstmals ein Weiterbildungsprogramm für die Beschäftigte zu Multiplikatoren für interkulturelle Fragen erfolgreich konzipiert. Damit wurde ein internes Netzwerk etabliert, um die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Migrationshintergrund entscheidend zu verbessern. Die Absolventen des interprofessionellen Curriculums kommen sowohl aus dem Pflegebereich als auch aus der Ärzteschaft des Mutter-Kind-Zentrums der Charité (Zentrum 17).

Dilek Kolat, Senatorin für Arbeit, Frauen und Integration, ist die Schirmherrin dieses Pilotprojekts.
In Berlin leben Menschen aus mehr als 180 Nationen.  Diese kulturelle Vielfalt spiegelt sich auch an der Charité bei den Beschäftigten und den Patienten wider.

So entbanden im Monat Oktober Frauen aus mehr 56 Ländern an der Berliner Charité. „Alle Gesundheitsberufe werden künftig noch verstärkter Patientinnen und Patienten aus anderen Kulturkreisen behandeln“, so Prof. Dr. Jalid Sehouli. In der Klinik von Professor Dr. Jalid Sehouli wird von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in insgesamt 17 Sprachen gesprochen. „Sprache ist die Voraussetzung für ein gutes Arzt-Patienten-Schwester-Verhältnis“, sagt Prof. Dr. Jalid Sehouli, der nun in Zusammenarbeit mit der Alice Salomon Hochschule Berlin und dem Charité Comprehensive Cancer Center (CCCC) dieses Projekt weiter ausbauen will. „Das Projekt ist in dieser Form deutschlandweit einmalig an einer Universitätsklinik.“ Die Multiplikatoren sollen künftig auf ihren Stationen und in ihren Arbeitsbereichen als Vermittler agieren und in Konfliktsituationen professionell handeln. Im Mittelpunkt der einjährigen Fortbildung stehen Themen wie die Arzt-Patienten-Kommunikation, der Umgang mit Geburt und Krankheit in verschiedenen Kulturen sowie Deeskalations- und Moderationsmethoden. „Wichtig ist, dass die „Ressourcen“  unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die interkulturelle Kompetenz genutzt werden, es ist ein bisher nicht komplett gehobener Schatz“, so Prof. Dr. Jalid Sehouli.



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